Kulturfernsehen - überraschend anders.



Dieses Motto gaben wir uns im Sommer 2008, nach über 18 Monaten Sendetätigkeit. In dieser Zeit haben wir viel gelernt über die Machbarkeit von Konzepten, über die Zuverlässigkeit von ehrenamtlichen Mitarbeitern und über – tja – die Community.

Biwalo TV hat meist ein Stammteam von vier manchmal drei (!) Leuten. Dazu kommen noch jene , die gelegentlich mitmachen. Trotzdem können wir ein bis zwei Sendetermine im Monat füllen (erster und dritter Samstag im Monat). Programmschwerpunkt ist gegenwärtig die Berichterstattung von und über das was auf den Bühnen Berlins passiert. Das bedeutet viel Arbeit und Stress bei der Absprache von Terminen und oft zeitliche enge Produktionszeiten. (Ursprünglich wollte Biwalo nur Filme zeigen.) Doch das Konzept ist bei vielen Zuschauern beliebt, weil hier nicht von oben Kritik geübt wird, lediglich die Macher kommen zu Wort. Viele Stücke sprechen aber auch für sich allein. Die Ausschnitte sprechen für sich, beigefügte Texte beschränken sich auf das Wesentliche. Es ist vielleicht interessant zu wissen, dass wir vielfach die einzigen TV-Journalisten in den Theatern sind. Selbst Aufführungen aus dem Deutschen Theater oder der Komischen Oper kommen nur sporadisch in der Berichterstattung beim RBB Fernsehen bzw. im ZDF vor. Darüber hinaus senden wir noch schräge Kurzfilme und haben wohl Deutschlands ungewöhnlichste Moderatöse.

Ein neues Projekt wächst ebenfalls langsam heran. Nachdem wir uns verschiedene queere Serien angeschaut haben, die man uns kostenlos zur Verrfügung stellen wollte, entschlossen wir uns zur Eigenrprpduktion. Bisher hat das Team im Jahr 2011 zwei Filme proudziert, die bei den Zuschauern positiv bewertet wurden. - Nun, für das Drama gab es Anstandsapplaus, die verrückte Komödie hätten wir gleich drei Mal wiederholen können. Doch Wiederholungen vermeiden wir möglichst.

Im Jahre 2012 tritt die Theaterberichterstattung etwas in den Hintergrund. Hauptbestandteil des Programms sind uns die von unserem Team gedrehten Reportagen über Menschen in Krisensituationen und Migrationsprobleme.

Biwalo TV ist auch - das ist ein blödes Wort – Behindertenfernsehen. Weil das Team auch aus Menschen besteht, die aufgrund von Behinderungen aus dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen und nun von Mitteln der Grundsicherung leben. Hier im Team beweisen sie sich täglich, daß sie mehr können, als ihnen die Gutachter des Jobcenters zutrauten. Zwei Leute im Team sind Schwerbehinderte, die jahrelang vergeblich einen Job und eine sinnvolle Beschäftigung suchten.

Mit sehr sehr viel Mühe und Energie haben wir endlich auch Medienpartner gefunden, sodaß damit die Sendekosten gedeckt sind. Und wir haben begründete Hoffnung, daß in absehbarer Zeit alle Mitwirkenden ein (wohl eher bescheidenes ) Homorar bekommen.

Nicht zu letzt ist biwalo TV »schwules Fernsehen« Sogar das erste schwule Fernsehprogramm was auf einem privatwirtschaftlichen Sender lief. Die bisherigen Projekte gab es ja nur auf den Offenen Kanälen. Erst im Oktober bzw. November 2008 gründeten sich Boum TV und Timm TV, die sich beide als erstes schwules Fernsehen feieren. - Inzwischen sind beide von der Bildfläche verschwunden. Neu haben wir von »Mango« TV erfahren, und versuchen eine Zusammenarbeit aufzubauen.

Hier nun unsere Historie:

Charleen


Das A.B.A.D.I. Projekt schwules Fernsehen war die Urzelle. Aus diesem entwickelten einige Mitglieder dieses Community-Projektes ein erstes Konzept. Das war 2006, also lange vor dem Sender »Timm-TV«.

Die neue Gruppe tat sich schwer mit der Namensgebung und ließ schließlich ein paar Legebuchstaben entscheiden. Sie führten zu dem Kunstwort BIWALO. Sinn und Zweck von Biwalo TV war erst einmal einen wirklich festen Sendeplatz für schwule Filme zu schaffen, ebenso für Kabarett, Show und Klamauk. - Der Grund für dieses niedrigere Niveau lag einfach in der Tatsache, dass leider sämtliche großen Konzepte bisher entweder gescheitert waren, oder es nur schlecht und recht auf den Offenen Kanal („Alex“) schafften.

unsere Moderatorin Charleen


Alle in der Biwalo-Gruppe hatten aber bereits Erfahrungen mit dem Medium Fernsehen und wollten unabhängig sein von der Gnade (und den freien Zeiten) eines Offenen Kanals. Auch hofften die Mitstreiter nach einer ersten Phase zu ein regelmäßiges Gehalt zu kassieren. Um ein kommerzielles Programm anzubieten, gab es entweder die Möglichkeit auf „FAB“ oder dem „Spreekanal“zu senden. Dieser hat eine Reichweite von 1,4 Mio Haushalten. Ausserdem waren die Sendekosten deutlich nierdriger als bei FAB. (FAB - das Fernsehen aus Berlin ist inzwischen Vergangenheit und Sache vom Insolvenzverwalter.) Wir senden auf dem »Mischkanal«, wie die Gemeinschaft der sog. Einzelanbieter offziell bezeichnet wird, die auf dem SK 10 zu finden ist (dort wo tagsüber der Verkaufskanal Juwelo TV sendet). Seit Ende 2011 senden wir auch auf DVB-T Kanal 59.



George war es schließlich der bei der zuständigen Behörde, der MaBB, die Lizenz für ein TV-Programm beantragte, damit jede Woche zwei Stunden gesendet werden darf. Diese Lizenz erhielt er im Sommer 2006 und im November eine brauchbare Sendezeit, doch statt der erhofften 120 Minuten nur 90 Minuten.



Mit der ersten Sendung, am 16.12.2006, schreiben wir dann auch Geschichte. Zum ersten Mal liefen auf dem Sk10 (den gibt es seit Sept. 1985) Filme, sogar gleich drei an der Zahl.



Auch eine kleine schräge Talkshow wurde in das Programm eingebaut, die bei den Zuschauern offenbar sehr beliebt war. Rekordverdchtig war der 26.02.07. Für ihre Show an diesem Tag erhielten die falschen Frauen Kitti und Frau Charleen erstaunliche 564 Emails, ohne das sie etwas verlost hatten. Die Emails enthielten in vielen Fällen Vorschläge, die natürlich in den folgenden Programmen ausprobiert werden sollen. Ein neuer Programmpunkt war ab April 2007 „God Good“. Hintergrund waren Geschehnisse auf den Arbeitstreffen der Einzelanbieter auf dem SK 10, aber auch Gespräche mit Vertretern von religösen Gruppen. Schwule Männer gelten vielfach noch immer als gottlos und all ihr Tun als moralisch verwerflich. Sogar auf dem Sonderkanal 10 gibt es Sendungen, die in diese Richtung gehen. Es hat keinen Sinn sich darüber zu ärgern, entschieden die Macher von BIWALO. „God Good“ sollte keine Kirchensendung und kein Beitrag zur Christenlehre, sondern praktische Lebenshilfe sein. - Doch „Good God“ wurde von den Zuschauern einfach ignoriert. In keiner, der über 500 Zuschauermails stand auch nur eine Zeile zur diesen Sendungen. Rasch steig der Sponsor aus und wir unterließen künftig religöse Sendungen.

Wir entschieden uns endlich unter Menschen zu gehen. Biwalo sendete eine komplette Theateraufführung aus den Vereinsräumen der Allgemeinen Homosexuellen Arbeitsgemeinschaft (AHA) „Queens in Space III“ und brachte Ausschnitte aus der Tuntenshow „Komatös“ und auch die schlimmste Show aller Zeiten, von Tommy und Thomas kam von der AHA-Bühne ins Programm. Nächster Höhepunkt war ein eigener Stand von Biwalo TV auf dem schwul-lesbischen Parkfest im Friedrichshain.

Doch schon ergab sich etwas Neues. Das 48 Hour Film Project fand zum ersten Mal in Berlin statt und Biwalo nahm mit einem offenen schwulen Team daran teil. Der Veranstaltung wurde eine ganze Sendung gewidmet. Im Rahmen des Pornfilmfestivfals gab es „Cum2Cut“ auch hier waren wir mit einem Team vertreten und drehten auch einen sehr erotischen Film, den wir im eigenen Programm aufgrund der juristischen Bestimmungen gar nicht senden konnten. Die Teilnahme war auch ein Protest. Noch immer werden im Erotikbereich perfekte Menschen erwartet, Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen haben aber auch gern Sexualität.

Auch beim Interfilmfestvial waren wir dabei, genauso wie bei der Eröffnung des Kabaretts „Ikenna“ in der Spielbank Berlin, sodaß in der Weihnachtssendung schließlich die altverdienten Jacobsisters exclusiv sangen, die am Tag der Kabaretteröffnung ihren Geburtstag dort feierten.


Schließlich berichteten wir über schwule Filme aus Asien und hatten eine Sendung über Filmzensur in Indonesien im Programm. Von Royston Tan aus Singapore erhielten wir seinen Protestfilm gegen Filmzensur und sendeten ihn in Originalsprache, sowie einen schwulen Kurzfilm aus Jakarta, der dort aufgrund der Zensurgesetze nie ins Fernsehen kam. Der Film lief in Originalsprache, in Bahasa Indonesia. Aber in vielen Zuschriften wurde wehmütig vermerkt, daß in unseren Sendungen der Humor etwas verloren gegangen war – und auch unsere Hauptattraktion war erkrankt, der Butler von Moderatorin Charleen.

Nachdem sich die Queer-Community endgültig von Biwalo TV verabschiedet hatte und mit fiebrig glänzenden Augen „Timm TV“ erwartete, eilten wir zu den Filmfestivals und konnten so interessante Fundstücke und Interviews präsentieren. Doch viele Filmemacher wollen auch Bargeld sehen, wenn ihre Filme im Fernsehen laufen. Da mußten wir passen.

Fortan bestieg Biwalo TV die Bretter die die Welt bedeuten und berichtete im Sommer 2009 zum ersten Mal aus der Komischen Oper Berlin (übrigens als einziges TV-Team dort). Später ging es zur Schaubühne, zum Maxim Gorki Theater, zum Deutschen Theater, zum BKA-Theater und natürlich zum HAU. Spo berichteten wir auch über Theater aus Asien im Rahmen der Asian Pazifik Wochen, brachten Tanztheater aus Südamerika.

Doch eines bleibt bedauerlich. Die Arbeit für dieses Programm ist intensiv und kostet viel Zeit und egal wie sparsam wir auch sind einiges Geld. So versuchten wir über verschiedene Quellen eine Förderung zu erreichen. Leider hatten wir bisher, trotz einiger vollmundiger Ankündigungen unserer Helfer, keinerlei Erfolg damit. Insofern ist es schon traurig zu sehen, daß ein offenbar sehr nützliches Programm (wir berichten ja oft als Einzige) , was auch beliebt ist (wir haben pro Sendung bis zu 600 Zuschriften) sich nach der Decke strecken muß wenn es um Sponsoren geht.

Noch sind die Macher weit davon entfernt von dem Projekt Einnahmen zu erzielen, doch es macht Freude für sich und andere etwas sinnvolles tun zu können.

Herzlichst, im Namen des Teams : Chefredakteur R. G. Knuth



Biwalo TV sendet auf DVB-TV Kanal 59 und im Kabelnetz der Kabel Deutschland auf dem Sonderkanal 10, mindestens am ersten Sonntag im Monat, ab 22 Uhr